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Touren: Sperrung Wellbachtal

19.12.2000 - Die Streckensperrung für das Wellbachtal ist vom Tisch!
Nachdem im Jahr 2000 "nur" noch 13 Unfälle mit Motorrädern auf der B48 registriert wurden (1999 waren es 41)
sieht man bei der zuständigen Polizeiwache keinen Grund mehr eine Sperrung zu beantragen.
Wie nicht anders zu erwarten sieht man es auf seiten der Polizei als einen Erfolg der eigenen Präventionsarbeit
in Form von massiven Motorradkontrollen (technischer Zustand - reduziert sich eigentlich auf Kontrolle von Auspuffanlagen.),
zusätzlich wurde die Geschwindigkeit kontrolliert. Und häufig war auch ein Videowagen unterwegs.
Da man daran wohl selbst nicht recht glaubt, werden die Kontrollen in nächsten Jahr gleich wieder heruntergefahren!
Vermutlich will man so die gestiegenen Unfallzahlen der umliegenden Straßen wieder senken.

Personenschäden im Wellbachtal


 Tote
 Schwerverletzte
 Leichtverletzte

0 8 10

0 8 11

3 11 11

3 8 5

0 5 7

0 4 7

2 17 15

1 5 9
Unfälle
(davon am Wochenende)
18 (6) 13 (10) 21 (13) 14 (9) 15 (8) 16 (7) 41 (26) 13 (10)
Jahr 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000
Quelle: Polizei Annweiler
Die aktuellen Unfallzahlen und weitere Infos findest Du auf der Homepage der Polizei Rheinland Pfalz


21.06.2000 - Streckensperrung für das Wellbachtal droht!
Zentraler Knotenpunkt im Pfälzer Wald ist das Johanniskreuz.
Von dort gehen die Straßen nach Annweiler (Wellbachtal), Neustadt (Elmsteiner Tal),
Hochspeyer (zwischen Bad Dürkheim und Kaiserlautern) und Waldfischbach ab.
Während nun das Elmsteiner Tal seit einigen Jahren am Wochenende und Feiertags für Motorräder ganz gesperrt ist,
ist das Wellbachtal 'NUR' mit Tempo 70 und Überholverbot belegt. Die anderen Straßen sind sozusagen frei.
Durch die Sperrung des bekannten Elmsteiner Tals, verlagerte sich naturgemäß der Verkehr
auf die umliegenden Strecken, insbesondere auf das teilweise anspruchsvolle Wellbachtal.
Dies ging auch einige Jahre gut, bis nach den Winter 99/00 unser geliebtes Straßenbauamt mal wieder aus dem Vollen schöpfte.
So wurden Risse in der Fahrbahn mit den bekannten Bitumenstreifen versehen.
Da man sich offenbar der Verantwortung des neuen Jahrtausends bewusst war entschied man sich diesen Streifen
auch eine vertikale Ausdehnung zu geben - nach dem Motto: viel Hilft viel.
So erheben sich diese Gebirge mitten in der Kurve, etliche Zentimeter in die Höhe.
Für einen erfahrenen Motorradfahrer beim ersten Mal ein Schreck, für Anfänger, Wiedereinsteiger oder schlicht Leute,
die nur Zweirad fahren möchten ein echtes Risiko!
(ohne sich Gedanken über Grip, Schräglage oder fahrphysikalische Zusammenhänge zu machen)

Dies belegt eindrucksvoll das Holzkreuz für einen 125er Piloten am Straßenrand.

Selbstverständlich war laut Polzeibericht wie immer überhöhte Geschwindigkeit die Unfallursache. Keinesfalls Pfusch im Straßenbau, ein PKW-Fahrer der nicht in der Lage war auf seiner Seite zu bleiben, ein LKW-Fahrer der in jeder Kurvenkombination eine direkte/ schnelle Linie entdeckte, oder ein PWV-Mitglied das nur mal kurz wenden möchte oder ähnliche Scherze.

O.K. was lernen wir daraus? Minderheiten sind immer der Arsch!
Sei es der Rolli, der wegen den Treppenstufen nicht ins Kino kommt,
der Türke, der beim örtlichen Bäckermeister mit seiner Bewerbung abblitzt oder eben der 'Biker' im Raum der StVO.
Die Sache hat nur einen Haken - WIR konnten uns diesen Makel aussuchen.

Was soll das heißen? Selber Schuld?!
Zum Teil.
Wer am Verkehrsgeschehen teilnimmt setzt sich immer einer Gefährdung aus. Genaugenommen geht von jeden Verkehrsteilnehmner auch eine Gefährdung aus.
Netterweise orientieren sich Rückhaltesysteme, einfache Naturen sprechen von Leitplanken, am Massenverkehrsmittel PKW .
Zugebener Weise wissen wir das - allerdings verlangt dieses Verständnis niemand von einem M5-Pilot,
der über die Mittelleitplanke des Autobahnkreuzes segelt. Hier gilt dann die Unschuldsvermutung...

Andererseits soll der entsprechende Führerschein die notwendigen Fertigkeiten bestätigen,
welche zum Führen des Kraftfahrzeugs erforderlich sind. Mittlerweile würden Straßenzustände wie im Wellbachtal ein Endurotraining & ein Rennstreckentraining erfordern.
Netterweise darf man sich bei den "Touristenfahrten" auf dem Hockenheimring mit 70 Motorrädern (kleiner Kurs!) immerhin noch halbwegs austoben, freie Endurostrecken wie etwa bei Freinsheim (Bad Dürkheim) wurden ganz geschlossen. Schützenswerte Blumen seien angeblich in den Fahrspuren entdeckt worden. Seltsam das das Erdloch, fernab jeder Ortschaft, heute langsam zugeschüttet wird.

Was heißt das in der Praxis?
1.) Überleben ist Glückssache.
2.) Motorradfahren können schadet nie.

An Punkt 1 gibt es nix zu deuteln.
Punkt 2 bedeutet, sich mit dem Motorrad, seiner Physik und Eigenheiten auseinanderzusetzen.
Dies gelingt nun am besten (oder am sichersten) auf einen Kurs außerhalb der StVO,
sei es nun On oder Off-Road.
Natürlich kann man aus der Not auch eine Tugend machen:
"Ich fahre Kackstuhl [Chopper], also fahre ich in Fransenweste sicher" oder
"die andere fahren viel schneller als Ich - also sollte es die Bösen erwischen"
Dass dies ein Trugschluß ist beweisen Statistiken und die Lebenserfahrung.
Dies gilt übrigens auch auch für unsere Bremsenprofis aus dem Hause BMW.
NEIN - ein Fahrzeug mit ABS wird immer einen längeren Bremsweg als ein optimal gebremstes Bike haben!

Weit mehr Sicherheit bringen hier geübte Abläufe:
Bremsen, den Blick vom Hinderniß lösen [der Knackpunkt im PKW],
Bremskraft reduzieren [beim MR-ABS notwendig] und Hindernis umfahren/ einlenken.
Das Einlenken ist wohl der Haken auf dem Bike:
Der Hintergrund dürfte klar sein - der Körper geht in einer Stress-Situation mal von einem Sturz aus, also werden die Arme starr nach vorne gehalten, um das Gehirn zu schützen.
Blöderweise hindert diese Verkrampfung uns daran dem Hindernis auszuweichen, obwohl das Bike bereits genug verzögert wurde.
Stattdessen wird mit starrem Blick weiter auf das Hindernis zugehalten, siehe PKW, naja und bei uns kommt eben kein Luftballon raus.

Fazit:
Entgegen allen Anpassungversuchen (wie etwa 'Laut ist Out'), liegt unser Image in der Öffentlichkeit weniger an uns selbst, als an den sonstigen Sommerlochthemen, netterweise hat es diesen Sommer die Hundebesitzer und 118 Seeleute erwischt.
Hier konnte die 'Mehrheit' mal so richtig d'reinhauen - nach dem beliebten Motto: Jo, das war scheiße - aber die Motorradfahrer...noch viel schlimmer!

Was nicht heißt, dass Meinereiner da so anders wäre - siehe meine Aussage zum M5 und Kackstuhlfahrer ;-)
Dennoch liegt es in der Realität an UNS für UNSERE Sicherheit zu sorgen,
auch wenn dies keine absolute Absicherung sein kann.

Weitere Gründe: ein Motorrad in Schräglage wird von den meisten PKW-Fahrern automatisch als unglaublich schnell empfunden, ohne das diese Einschätzung zutrifft. Nach der Logik - wenn mein Auto so schräg wäre, dann....!
Überholt werden ist für den typischen Deutschen scheinbar ein Angriff auf seine persönliche Integrität.
Beim Thema Überholen wird einem immer wieder zu geringer (Seiten-)Abstand vorgeworfen.
Das seltsame dabei: fährt man mit einen Motorrad mit Tempo 100, z.B. weil man neue Kolben einfahren will, so sollte man besser mal keine ausladenden Koffer montieren, sonst verliert man diese an die Mitglieder des "Ihr fahrt immer zu dicht auf-Verbandes".

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